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| | Handgerollte Pasta von 'la mamma' | (Stuttgarter Zeitung vom 27.05.2002) | |  | | In der Tiefgarage leuchten die Werbeschilder für den Segafredo-Kaffee und für die fruchtigen Pago-Säfte. Das Treppenhaus ist hellrosa gestrichen. Alles deutet darauf hin: Das Il Terrazzino ist meilenweit von den cool gestylten Restaurants entfernt, die zurzeit in der Innenstadt Konjunktur haben. Dafür ist in Möhringen, im ersten Stock über der Videothek, das "echte" Italien ein Stück näher: ein wenig kitschig, sehr typisch, liebenswert und ohne Dünkel.
Das Terrazzino, das Vincenzo Murano in diesem Januar übernommen hat, heißt so, weil es eben eine kleine Terrasse hat. Den braunen Fliesenboden gibt es schon seit den Anfangsjahren des Lokals in den 80ern, und auch die hohen Stühle mit dem Strohgeflecht sind nicht der letzte Schrei. Dafür sind die cremefarbenen Stoffkaskaden, die an der Fensterfront drapiert sind, nagelneu. Die gestärkten Tischdecken in Rosa und Weiß könnten dazu nicht besser passen - ebenso wie der Italopop als dezente Hintergrundbeschallung und die wadenlangen Schürzen der Kellner.
"Haben Sie schon mal probiert?" fragt die alle zwei bis drei Wochen wechselnde Extrakarte. Und dann folgen Köstlichkeiten, deren Namen schon auf der Zunge zergehen, etwa die "Caramelle duo": hausgemachte Bonbonnudeln mit Auberginen- und Steinpilzfüllung in Tomatenbasilikumsoße. Letztere sind, handgerollt und schmackhaft gefüllt, unbedingt zu empfehlen (9,90 Euro).
Ins Terrazzino kommt aber auch die ganze Familie, um einfach nur Pizza zu essen. Hier sitzt man mit Freunden über dampfenden Spaghetti zusammen. Die Küche kennt alle Klassiker, die der Deutsche inzwischen von einem "gescheiten Italiener" erwartet - mit Schwerpunkt Kalabrien.
So vereint die üppige Vorspeisenvariation des Hauses Bruschette (Brotscheiben mit Tomatenwürfelchen), Melone und Parmaschinken, Tomate und Mozzarella, Meeresfrüchtesalat, Bresaola mit Parmesanspänen - alles in bester Qualität und frisch auf der Platte arrangiert. Olivenöl darf der Gast nach Gusto darüberträufeln. Nur auf die Frischkäsetaler aus dem Kühlregal könnte er getrost verzichten (14,60 Euro).
Die Hauptspeisen schmecken wirklich wie bei "la mamma". Vorweg wird ein kleiner Salat mit Balsamicodressing serviert. Dann folgen vier zarte Kalbsschnitzelchen, jeweils bestückt mit einer Scheibe Parmaschinken und einem Salbeiblättchen, in einer leichten Weißweinsoße - Saltimbocca romana, wie sie auch in der Heiligen Stadt nicht viel angenehmer in den Mund springen würden (14,30 Euro). Die gratinierten Sepien und Garnelen lagern auf einer Tomatensalsa, bei denen der Zusatz "pikant" deutlich untertrieben ist. Dazu gibt es für beide Gerichte zusammen eine Schale mit gewürfeltem Ofengemüse. Einfach gut.
Der offene weiße Chardonnay und der rote Cabernet erweisen sich als sehr ordentliche Essensbegleiter (4,60 Euro). Auch wenn sicher die meisten Gäste gerne auf der Karte lesen würden, was sie ordern: Weingut, Jahrgang, zumindest aber die Herkunft. Es handelt sich übrigens um einen Chardonnay aus Umbrien und einen Carbernet aus der Toskana. Außerdem gibt es auf Nachfrage eine Liste mit Flaschenweinen, auf der auch der Brunello di Montalcino nicht fehlt.
"Und jetzt was Leckeres", meint die Extrakarte, die einen Eispilz fungo mit Vanillestiel und Haselnusshut offeriert. Wer satt ist, bekommt einen Espresso, Ramazzotti oder Grappa aufs Haus. Wenn dann zwei Herren mittleren Alters in perfekt sitzenden Anzügen hereinkommen und sich am Tisch neben der Bar niederlassen, könnte man meinen... Aber nein, keine Klischees mehr.
(Daniela Mack) |
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